Stoneman Dolomiti|110 km und 4000 hm

Der Stoneman- Trail ist eine ausgeschilderte MTB-Route die an einem, zwei oder drei Tagen bewältigt werden kann. Nach erfolgreich beendetem Stoneman Miriquidi im letzten Jahr, stand für mich fest, der Stoneman Dolomiti muss auch gefahren werden. Da Silber und Bronze keine Option sind wenn man Gold haben kann, mussten die Dolomiten auch an einem Tag bezwungen werden. Tagesprogramm: 110 km und 4000 hm. Anders als im Erzgebirge sollte es hier nur drei Berge und ein bisschen Kleingeplänkel (Minispitzen im Höhenprofil) geben. Mit Marion und Klaus hatte ich auch die besten Begleiter für dieses Vorhaben. „Abenteuer Dolomiten“.

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#1 Kurz nach dem Start

Kurz nach Sieben machten wir uns mit vollgepackten Rucksäcken, unseren Mountainbikes und mit reichlich guter Laune auf die Reise. Von Toblach aus sollten es 25 km und 1400 hm bis zur ersten Stempelstelle sein. Bei angenehmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein überhaupt kein Problem. Über Asphalt und Forstweg ging es bis zur Silvesteralm. Von hier aus führte uns eine alte Militärstraße bis zum Gipfel. Mit Straße hatte das allerdings wenig zu tun. Grober Schotter und Geröll machten die „Straße“ zu einer wahren Buckelpiste. Für die einen zum Zähne ausbeißen, für uns ambitionierte Sportler aber recht gut machbar. Nach ca. drei Stunden erreichten wir schließlich die erste von fünf Stempelstellen. Beweisfoto und weiter. Für die Abfahrt folgten wir der „alten“ Stoneman- Markierung und wurden mit einem traumhaften Singeltrail, vorbei an alten Bunkeranlagen, bis ins Tal belohnt.

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#2 Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt

Nach einem Transfer über den Fahrradweg und einer Pause in Sillian (Österreich), lag nun der zweite Berg vor uns. 10 km und weitere 1400 hm bis zur Sillianerhütte. Die permanente Steigung von 10 % brach mir nach ca. 2 km das Genick. Ab jetzt war schieben angesagt. 5 km bis zur Leckwiesenalm auf 1900 m Höhe. Marion und Klaus, die erst noch vor mir her fuhren, stiegen nach einer Weile ab und schoben aus Solidarität mit mir. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir schließlich die Alm und machten Pause. Schlipfkrapfen für den leeren Magen… Sehr lecker und bitter nötig! Auf meine Frage wie weit es noch bis zur Sillianerhütte sei, antwortete der Wirt: „Ca. 1 Stunde zu Fuß“ und witzelte noch: ,,Wenn es passt komme ich mit dem E-Bike hinterher …“

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#3 Endlich was essen

Nach der kleinen Stärkung setzten wir uns auf die Räder und machten uns auf den Weg nach oben. Ganze 200 m konnten wir fahren, dann war Schluss. Die Steigung von ca. 16 % machte die Weiterfahrt für uns völlig unmöglich. Weitere 3 km schieben und dabei 500 hm überwinden. Mit dem Mountainbike nebendran und Klickschuhen, die sich nicht wirklich zum Wandern eignen, war das kein Spaß. Ungefähr 100 hm unterhalb der Hütte (Das ist dreimal so hoch wie unser Willinger Viadukt), kam ich an den Punkt, an dem ich keine Lust mehr hatte. Die Berghütte die unterhalb des Gipfels thronte, war so nah aber doch noch so weit weg. Ohne die aufbauenden Worte und den tritt in den Hintern von Klaus, hätte ich mein geliebtes MTB so weit von mir weg geworfen wie ich nur konnte. Da kam ich psychisch doch kurz an meine Grenze, aber dank Klaus mit Schwung über sie hinweg. Nach 1,5 Stunden schieben hatten wir es endlich geschafft. Zweite Stempelstelle auf 2447 m Höhe erreicht!

Nun folgte die Demut-Passage. Auf diese hatte ich mich im Vorfeld schon am meisten gefreut. Ein 10 km langer Singeltrail, technisch sehr anspruchsvoll, stellenweise ausgesetzt und am Rande des Abgrundes immer auf, oder knapp unterhalb des Berggrades auf der Grenze zwischen Österreich und Italien. Anfangs machte es mir richtig Spaß, mein Enduro-Bike über den schmalen Weg zu balancieren. Dies sollte sich aber im weiteren Verlauf noch ändern. Teils fahrend, teils schiebend arbeiteten wir uns langsam vorwärts. Der auffrischende Wind und die herannahenden dunklen Wolken machten die Sache nicht einfacher. So weit oben in den Bergen, jenseits der Baumgrenze, ohne jegliche Möglichkeit sich unterstellen zu können, möchte man nicht von einem Gewitter überrascht werden. Es war das erste Mal das ich Wind als so bedrohlich empfand. Ein scheiß Gefühl! Alle drei waren wir uns einig: ,,So schnell es geht aus dieser Passage raus!“.

200 m fahren, 100 m schieben, 300 m fahren, 50 m tragen, …. Und das auf fast 10 km Länge. Das machte uns mürbe und hatte mit einer Mountainbiketour wirklich nichts mehr zu tun und war recht enttäuschend. Nach gut zwei Stunden höchster Konzentration erreichten wir endlich die Stempelstelle am „Passo Silvella“ auf 2329m Höhe. Jetzt nur noch runter! Aber da war ja noch das „Kleingeplänkel“ im Höhenprofil … Nach weiteren Kilometern auf und ab dann tatsächlich die Abfahrt ins Tal. Mit knurrendem Magen ging es dann über einen Trail, der in diesem Fall gerne eine Waldautobahn hätte sein dürfen, hinunter ins Tal. Endlich etwas Richtiges essen. Diese Pause war für uns drei sehr wichtig und gab nochmal Kraft für die letzten 30 km.

30 km. 10 km und 800 hm bergauf und dann 20 km bergab. Die vierte Stempelstelle in Padola war schnell erreicht. Danach ging es über einige steile Rampen hinauf zum Kreuzbergpass auf 1636 m Höhe wo wir uns für den bevorstehenden NightRide fertig machten. In völliger Dunkelheit und nur im Licht unserer Lampen, erreichten wir die letzte Stempelstelle auf den Rotwandwiesen (1924 m Höhe). Erleichtert, es trotz aller bisheriger Strapazen geschafft zu haben, alle Stempel an einem Tag zu bekommen, nahmen wir die letzten 20 km in Angriff.

Das Gewitter welches uns im Mittag noch verschont hatte, hatte uns allerdings nicht vergessen.

Da waren doch noch die drei Willinger die eine Abkühlung brauchten …

Ein Grollen, welches immer näher kam und Blitze am Himmel, ließen einen nassen Endspurt erahnen. Noch im trockenen fuhren wir die Naturrodelbahn bis Moos herunter und schafften es im Ort gerade noch rechtzeitig die Regensachen überzuwerfen. Im Platzregen und über uns tosendem Gewitter, mobilisierten wir nochmal alle Kräfte und spurteten die letzten Kilometer bis ins Ziel.

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#4 Stempelstelle am Marchkinkele

Geschafft und mit der Gewissheit noch nicht alle Körner verbraucht zu haben, kamen wir nach gut 16 Stunden, sturzfrei und ohne Defekt, wieder am Hotel an.

Wieder einmal haben wir als Team hervorragend funktioniert, haben zusammengehalten und den Stoneman Dolomiti an einem Tag bezwungen!!!

Fazit: Der Stoneman Dolomiti ist ein faszinierendes Naturerlebnis mit einem atemberaubenden Panorama auf einer sehr technisch und konditionell anspruchsvollen Strecke. Die kleinen Spitzen im Höhenprofil sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Ob man die Demut- Passage wirklich braucht, muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. Als Wanderroute ist sie beeindruckend aber zum Fahren leider teilweise zu ausgesetzt. Vielleicht gibt es irgendwann eine Wiederholung, dann allerdings in zwei Tagen ohne Demut- Passage.

Hier findet ihr weitere Bilder:

Abenteuer Dolomiten

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3 Gedanken zu „Abenteuer Dolomiten

  1. Deinen Kommentar habe ich jetzt erst gelesen … Vielleicht wäre ich weniger besorgt gewesen … Es steht auf jeden Fall fest Miriquidi und Hike und Road (Road ist nur schade, dass so viel auf mehr befahrenen Straßen verläuft) … LG gabi

    1. Danke Gabi 🙂 . Ich hab gerade mal deinen Blog überflogen. Bei dem was du sonst so machst, dürfte der Stoneman doch kein Problem sein. Ich hab es ja auch geschafft 😉 . Viel Spaß und Erfolg. Werde deinen Blog weiterverfolgen!

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