14 Stunden in den Dolomiten

Wie bereitet man sich vor?

Ein Blick auf die WetterApp – Den ganzen Tag Sonne und trocken – Folglich brauchen wir weder Regen- noch Windjacke … Etwas zum Essen, Getränke, einen Pulli (falls es frisch wird) und eine Lampe für den Notfall in den Rucksack, kurze Hose und Fahrradtrikot, Wanderschuhe an die Füße und Stöcke in die Hand. „Passt, so können wir los …!“  – ,,Stopp! GPS-Gerät und Karte nicht vergessen!“

Los geht’s …

Um 8 Uhr ging es dann „per Pedes“ los. Wie sich das gehört erst nach dem Frühstück und nicht wie uns von Roland geraten wurde, schon um Fünf. Das Höhenprofil hatte uns schon verraten, dass die ersten Kilometer recht steil werden würden. Auf einer Länge von 6 km mussten gut 1160 Höhenmeter zurückgelegt werden. Erstes Ziel war die Putzalm. Erst eine Asphaltstraße und dann ein breiter Wanderweg schlängelten sich bis dorthin den Berg hinauf und das bei Steigungen bis 27%.

20160811_085556
# Putzalm 08:55 Uhr

Danach ging es auf Pfaden weiter, die uns geradewegs auf eine Felswand zuführten. Nachdem wir ein kleines Geröllfeld hinter uns gelassen hatten, wurde es richtig steil. In kleinen Serpentinen führte uns nun der Pfad, mit bis zu 45% Steigung, hinauf zum Sarlsattel (2200m). Da mir ein Gemisch aus Schweißtropfen und Sonnencreme in die Augen lief, musste ich ausgerechnet die letzten Meter zur Stempelstelle im Blindflug bewältigen. Dominik wurde kurzerhand zum Blindenführer, bis meine Augen aufhörten zu tränen und ich sie wieder öffnen konnte. „Unter Tränen den ersten Checkpoint erreicht“, darüber haben wir uns köstlich amüsiert.

20160811_093748
# Sarlsattel 9:37 Uhr

Gerade oben angekommen, ging es auf der anderen Seite wieder recht steil bergab. Nach einem kurzen Schlenker von der eigentlichen Route weg, wir waren wohl im Gipfelfieber und steuerten geradewegs auf das Kreuz des Lungkofel zu, fanden wir den Weg dank GPS doch schnell wieder. Über Almwiesen schlängelte sich der Pfad über den Sarlridl bis zum Flodigesattel, wo wir dann eine Frühstückspause machten.

20160811_102039
# Frühstückspause 10:20 Uhr

Weiter ging es dann über sehr ausgesetzte und schmale Wege, manche nur einen Fuß breit, weiter durch die Kirchlerscharte in Richtung Plätzwiesen. Erst steil rauf, dann steil runter. Ein ganz einfacher Rhythmus der sich ständig wiederholte. Geröllfelder mit losem Untergrund und abenteuerliche Treppen mit morschen oder losen Stufen, forderten absolute Konzentration und Trittsicherheit. Glücklicherweise konnte man sich im Bereich der Treppe an einer sehr „vertrauenswürdigen“ verrosteten Kette festhalten. Dominik war das nicht so geheuer, aber ich hatte meinen Spaß dabei.

20160811_110554
# Abenteuerliche Treppe 11:05 Uhr

Nichts desto trotz waren wir froh, nach gut vier Stunden und 15 km, endlich die Plätzwiesen erreicht zu haben. Wir rechneten mit einer gemütlichen Almhütte und wurden auf einmal von Menschenmassen, mehreren Hütten, einem großen Hotel und – was für ein Wunder – von einem Großraumparkplatz überrascht. „Ist ja wie Zuhause. Wo man mit dem Auto hinkommt, sind auch Menschen…“ Flaschen auffüllen und dann nichts wie weiter.

20160811_103632

Nächstes Ziel: Rossalm. Irgendwie sah das Höhenprofil flacher aus als die Berge in der Realität. Aus dem geschätzten Stündchen für die sechs Kilometer bis zur Alm wurden dann mal ganze Zwei Stunden. Zwischendurch tauchten dunkle Wolken auf und wir hofften beide, dass es nicht anfangen würde zu regnen. In dem Moment wurde uns klar wie dumm es war ohne entsprechende Kleidung loszuziehen. Hochalpine Frischlinge eben. Gott sei Dank blieb es trocken. Wieder waren es Steigungen bis 29%, waghalsige Geröllfelder und ausgesetzte Wege und Pfade, die sich uns in den Weg stellten und Bachläufe die wir queren mussten.

20160811_190410

Trotzdem hatten wir weiter Spaß und wenn auf den jetzt wieder menschenleeren Wegen doch mal Wanderer auftauchten, erwachte in uns der sportliche Ehrgeiz und wir machten „richtig Druck“ um diese zu überholen. Wir dürften bei dem einen oder anderen ein Schmunzeln ausgelöst haben als wir, als Wanderer getarnte Radfahrer, schnellen Schrittes an ihnen vorbei zogen.

20160811_135540
# Bank an Rossalmhütte 13:55 Uhr

Nach einer kurzen Pause oberhalb der Rossalm ging es dann, leicht kupiert aber gut zu wandern, weiter Richtung Ofenscharte. Nach einer Weile Fußmarsch durch das Grün von kleinen Kiefern, standen wir dann, wie durch ein Wunder, wieder vor einer Rampe aus Geröll. Oben auf der Bergflanke konnten wir Menschen sehen. „So weit hoch müssen wir hoffentlich nicht!“ Schritt für Schritt arbeiteten wir uns mühsam über die groben Steine unter unseren Füßen nach oben bis wir, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich den zweiten Checkpoint auf 2360 m Höhe erreicht hatten. Das Steinmännchen mit den bunten Fähnchen zu sehen beflügelt jedes Mal für die letzten schweren Meter, aber die etwas unterhalb liegende Seekofelhütte mit dem lang ersehnten Mittagessen, beflügelte noch mehr.

20160811_150706
# Ofenscharte 15:07 Uhr

Nach über sieben Stunden und 25 km Fußmarsch kamen uns Spaghetti, Apfelstrudel und ein kühles Getränk (alkoholfrei versteht sich!) gerade recht. Mal eine dreiviertel Stunde zu ruhen tat richtig gut und hat Kraft für die letzten 30 km gegeben.

20160811_155552
# Seekofelhütte 15:55 Uhr

Gestärkt ging es dann schnellen Schrittes durch eine „Mondlandschaft“ weiter. Auch hier ließen wir die wenigen Wanderer auf dem Weg hinter uns zurück. An jedem Wegweiser das gleiche Spiel. Gingen die anderen rechts, gingen wir links. Bis zum Fuß vom Sennesjoch „rollte“ es ganz gut und wir machten, zumindest gefühlt, Meter. Oben konnten wir den nächsten Wegweiser sehen. Leider lag dazwischen eine gefühlt senkrechte Wand. Langsam arbeiteten wir uns den mit über 30% steilen Pfad nach oben.

20160811_170914
# Sennesjoch 17:09 Uhr

Nun hatten wir den höchsten Punkt unserer Wanderung, auf 2500 m, erreicht. Die Freude hielt aber nur kurz an denn wir mussten durch ein steiles und rutschiges Geröllfeld gleich wieder hinabsteigen.

20160811_171453
# Abstieg vom Sennesjoch 17:14 Uhr

Beim Blick  zurück schien ein Felsen wie ein Murmeltier auszusehen. Zugegebenermaßen brauchte man ein bisschen Fantasie. Vielleicht lag das auch nur an der Höhenluft oder an Halluzinationen die durch das fast monotone vor sich hin wandern hervorgerufen wurden.

20160811_171447b
# Murmeltierfelsen

„Jetzt noch fünf Kilometer bis zum Grünwaldjoch und danach geht es nur noch runter.“ Auf einer freien Kuppe machten wir unsere letzte Essenspause. Dann stiegen wir noch ein ganzes Stück weiter ab, wanderten durch ein Meer von kleinen Kiefern um dann den letzten Anstieg des Tages in Angriff zu nehmen. Noch einmal ging es über einen Pfad, der in ein  weiteres Geröllfeld mündete, nach oben. Wieder war Trittsicherheit auf dem rutschigen Untergrund gefragt und wieder waren große Steine und Treppen zu überwinden. Kurzzeitig ging es nur auf allen vieren nach oben weil sich anders kein Halt bot.

20160811_180840
# Blick auf’s Grünwaldjoch 18:08 Uhr
20160811_182055
# Grünwaldjoch 18:20 Uhr

Geschafft. Auf dem Grünwaldjoch stand auf 2250 m Höhe die letzte Stempelstelle. Nach 10,5 Stunden auch redlich verdient, stempelten wir unser Armband ab und machten uns dann auf die letzten 20 km ins Tal. Bis zur Grünwaldalm ging es noch über einen ausgesetzten Pfad und ein Geröllfeld. Danach über breite Wanderwege am Pragser Wildsee vorbei immer Richtung Niederdorf.

20160811_194645
#Pragser Wildsee 19:46 Uhr

Noch zum Blödeln aufgelegt, zogen wir immer wieder „mit Druck“ an vor uns laufenden Wanderern vorbei. Da es immer dunkler wurde, wir aber zu bequem waren die Stirnlampe auszupacken, musste das Mondlicht für die letzten Kilometer bis zum Hotel reichen.

Fazit:

Der Stoneman Hike ist eine wunderschöne Wanderroute die auch ohne Einsatz von einem GPS-Gerät, nur mit Hilfe des Roadbooks gut zu erwandern ist. Einziger Kritikpunkt: Es gibt zu wenig Stempelstellen, welche gleichermaßen als Belohnung und Motivation dienen. Hochalpine Erfahrung ist mit Sicherheit von Vorteil. Festes Schuhwerk, angepasste Bekleidung, Stöcke, gute Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit sind zwingend erforderlich. 55 km und 3000 Höhenmeter an einem Tag zu bewältigen ist eine machbare Aufgabe. Um  aber die faszinierende Landschaft richtig genießen zu können, sollte man vielleicht doch mehrere Tage einplanen. Genug Übernachtungsmöglichkeiten in Hütten gibt es entlang der Strecke.

Roland
# Finisherbild mit Roland Stauder

Hier noch ein paar Zahlen:

34% max. Gefälle | 45% max. Steigung

55 Kilometer Streckenlänge | 3.000 Höhenmeter

10.700 verbrannte Kalorien | 78.571 Schritte

13 Std. 42 Min. unterwegs



Alle Informationen zum Stoneman findet ihr hier: http://www.stoneman.it/

Stoneman Hike

Beitragsnavigation


2 Gedanken zu „Stoneman Hike

  1. Du hast ja auch schon einige Trohäen … Der Hike und der Road wären ja auch noch … Aber der Stoneman Trail war wirklich einen Versuch wert … Dachte ja nicht, dass wir durchkommen (am Tag davor), hatte ziemlich Bammel vor den technischen Schwierigkeiten … waren dann eh keine … die paar Meter zu Fuß an den Stellen mit Absturzgefahr und an steilen Aufstiegen gehen schon … und der Rest ist alles fahrbar. Viel Spaß dir für die Planung der nächsten „Stoanmander“!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.