1 Tag, 2 Länder, 9 Gipfel, 162 km, 4400 hm

Kann man machen, muss man aber nicht! Wir haben es ausprobiert 😉

Nach einer Anreise mit Hindernissen und Unwetter, standen die Chancen für den Start am nächsten Morgen, 99:1 dagegen. Beim Einchecken im Hotel bekamen wir den freundlichen Hinweis: „Passen sie auf, die Jagdsaison ist eröffnet!“. Wir: ,,Das fängt ja gut an! 🙂 “ Frau Holle meinte es aber gut mit uns und es blieb vorerst trocken (von oben).

6:30 Uhr ging es los. Von Oberwiesenthal zum Bärenstein, locker zum einrollen und warm werden. Der Schnitt von rund 16 km/h ließ uns guter Dinge das Abendessen im Hotel einplanen. Karte lochen, Foto machen und weiter geht’s.

An einem alten Mühlgraben entlang, ging es Richtung Pölberg. Die Sonne kam zum Vorschein, der Nebel stieg vom Tal nach oben. Es schien ein schöner Tag zu werden, mit dem keiner von uns beiden gerechnet hätte. Am Fuße des Pölbergs erreichten wir eine alte Naturrodelbahn, mit aus Natursteinen gemauerten Kurven. Jeder verbindet mit einer Bobbahn den Fahrspaß ins Tal aber hier war das leider anders herum. Wir standen unten und mussten rauf. Kleinigkeit. Am Steilstück kurz geschoben und schon waren wir oben. Zweiter Gipfel geschafft! Gerade als wir unser kleines Frühstück beendet hatten und weiter wollten, kamen von hinten drei Goldfahrer aus unserm Hotel, die schon eine halbe Stunde vor uns gestartet waren. „Wo seid ihr denn her gefahren?“ war die erste Frage. Unsere Antwort: „Immer den Schildern nach!“. Sie: „Und was ist mit der Umleitung?“ Wir: „Welche Umleitung?“. Da haben wir doch in unserem Eifer glatt ein Umleitungsschild wegen Forstarbeiten übersehen 😉 … Egal! 😀

Weiter ging es Richtung Scheibenberg. Über Feld- und Waldwege und ab und zu durch eine Ortschaft. Es lief richtig gut für uns. Auf den Scheibenberg führte uns dann ein schöner Wurzeltrail und für die letzen Meter eine Straße. Gut 50 km geschafft und der dritte Berg ist abgehakt.

Die längste Zwischenetappe lag nun vor uns. 35 km bis zum Trailcenter Rabenberg. Erst ging es bergab bis zum Unterbecken. Hier wartete dann eine Schiebepassage Bergauf auf uns. Diese ist wahrscheinlich noch nicht einmal bei trockenen Bodenverhältnissen zu fahren. Anschließend stetig und kräftezehrend bergauf. Auf diesem Abschnitt lief es nicht gut, es rollte nicht, der Hunger kam, aber das Trailcenter einfach nicht…. Nach 25 km ein Zwischenstopp in einem kleinen Ort. Wenigstens eine Kleinigkeit essen. Dabei stellten wir fest > trockengefahren, beide….! Ein Anwohner füllte uns dann glücklicherweise die Fahrradflaschen mit Wasser auf. Weiter auf der Strecke haben wir ein Schild falsch gedeutet und dadurch ca. 3 km extra geradelt. Nun wartete eine Rampe aus groben Schotter auf uns, nur 2 km, die sich anfühlten wie 10. Dann ein kurzer Schlenker an der tschechischen Grenze mit Grenzhäuschen und Schranke vorbei Richtung Rabenberg. Eine Portion Nudeln im Hinterkopf, liefen die letzten km dorthin wieder ganz gut. Wir erblickten die ersten Schilder vom Trailcenter und schon bogen wir ab in einen schönen flowigen Trail bergab Richtung Mittagspause. Im Trailcafe haben wir unsere Speicher aufgefüllt und ich (Andreas) mein persönliches Motivations- tief überwunden. Die Hälfte war geschafft, bis jetzt war es trocken, warum also nicht zu Ende fahren!?

Über die Trails vom Rabenberg ging es dann weiter zum Auersberg, dem vorerst letzten Gipfel in Deutschland. Jetzt lief es eigentlich wieder sehr gut. Die moderate Auffahrt über Asphalt und Waldwege kam uns sehr entgegen. Leider fing es auf den letzten km vor dem Gipfel an zu regnen. Zwangspause. Regenjacken an. „Was uns nicht umbringt macht uns stärker.“ Karte lochen und nichts wie weiter.

Über lange Abfahrten und schlammige Waldwege ging es dann Richtung Johanngeorgenstadt. Der Regen zehrt an der Kraft und so verstummten die Gespräche. Wir rollten stumpf nebeneinander her. Außer dem Schmatzen der Räder am Boden und dem Prasseln der Regentropfen war nichts zu hören. Zur Aufheiterung wurde kurz über einen Bergsprint gewitzelt, der dann aber abgelehnt wurde…Nass und kalt machten wir dann in Johanngeorgenstadt eine Pause. Kaffee und heiße Schokolade zum warm werden und soweit wie möglich trockene Sachen an. „Nur noch knapp 60 km, die sind doch zu schaffen“. Die Pause hat sich gelohnt. Uns war halbwegs warm und der Regen hörte auf.

Von oben trocken ging es dann, über die tschechische Grenze, am Chinesenflohmarkt vorbei, auf zum Blatenský vrch. Auf Grund der Bodenverhältnisse kamen wir nur langsam voran und die letzten paar hundert Meter nur schiebend. Die nassen Steine, der Schlamm und das viele Wasser machten ein Fahren unmöglich. Gerade warm geworden, fing es dann auch schon wieder an zu regnen. Also wieder Regensachen an und weiter. Nur 10 km bis zum nächsten Gipfel.

Die Abfahrt war nass und kalt. Wir durchquerten irgendein tschechisches Dorf und standen auf einmal am Fuße eines Skiliftes… Hier hoch? Naja hilft ja nichts … Aus unserer Fahrradtour wurde nun zunehmend eine Wandertour. Ohne den richtigen Gripp zum Boden nützt auch das beste Mountainbike nichts. Die letzten km konnten wir dann allerdings wieder fahren. Eine Asphaltstraße führte uns direkt zum Gipfel. Der Plešivec war auch geschafft! Schnell was essen und die Lampen montieren, stand auf dem Pausenplan.

Im Dunkeln ging es dann über eine steile Skipiste wieder hinab ins Tal. Auf dem Weg zum Klinovec bereitete uns eine Erhebung im Höhenprofil Bauchschmerzen. Diese ließ sich aber wie durch ein Wunder richtig gut an und wir waren froh, dass wir Asphalt unter den Stollen hatten. Auf halben Weg, sammelten wir dann einen weiteren Goldfahrer ein. Dieser war morgens um fünf gestartet und nach unfreiwilligem Umweg und Panne, in der Dunkelheit gestrandet. Nur mit Funzellicht und dadurch Mühe die Schilder zu finden, schloss er sich uns an. Zum Glück hatten wir ein GPS Gerät dabei. Selbst mit unseren guten Akkulampen hatten wir Mühe, alle Schilder zu finden. Jetzt ging es also zu dritt weiter. Ein paar schöne trailartige und im dunkeln schwer zu fahrende Wege hinab, machten wir vor dem Hauptanstieg zum Klinovec noch kurz Rast und tranken Cola um noch einen Energieschub zu bekommen. Anfangs ließ es sich noch gut fahren, es wurde zunehmend immer steiler und dann für uns nicht mehr fahrbar. Auch hier zwang uns der nasse und aufgeweichte Boden zum Schieben. Kurz vor dem Gipfel, dann noch ein anspruchsvoller Trail über nasse Steine und Wurzeln. „Hier müssen wir wieder runter…?“ Die letzten 500 m bis zum Gipfel waren zum Glück wieder auf Asphalt zu bewältigen. Karte lochen ja, Foto machen nein. Es war einfach zu kalt.

Nur noch 7 km bis zum Fichtelberg. Das Ziel vor Augen machten wir uns auf den Weg. Um den Trail zu umgehen, beschlossen wir ein Stück weit die Straße zu nehmen. Alles andere wäre in unserem Zustand und bei den Bedingungen nur leichtsinnig gewesen. So schnell wie der Fichtelberg, war den ganzen Tag kein anderer Berg da. Voller Motivation war der Gipfel und damit auch die letzte Stempelstelle erreicht. Am Ende der Abfahrt vom Fichtelberg, verabschiedeten wir uns von unserem Begleiter und machten uns auf die letzten Meter zum Hotel, die dann mit Zielsprint endeten.

Erschöpft und durchgefroren aber mit einem tollen Gefühl stellten wir unsere Räder ab und ließen den Tag, mit einem Finishergetränk, an der Hotelbar ausklingen.

Finisher_k

FAZIT: Es ist an einem Tag zu schaffen, muss man aber nicht 😉 . Es ist auf jeden Fall eine sportliche Herausforderung, man kommt an seine Grenzen und mit viel Willen auch darüber hinaus. Um die Landschaft zu genießen braucht man aber viel mehr Zeit.

Der Stoneman ist ein Bike-Erlebnis, das mit einem Traum beginnt und in einer tiefgreifenden Erfahrung endet. (Roland Stauder).

 Wir hatten den Traum es zu schaffen und haben es geschafft!

Stoneman Miriquidi

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