Den Uplandsteig an einem Tag erwandern?

1. Uplandsteig Wandermarathon 2015

„Ist es möglich den gesamten Uplandsteig an einem Tag zu bezwingen?“ Diese Frage stellte ich mir als ich die Ausschreibung des Uplandsteig Marathons las. Als leidenschaftlicher Mountainbiker hatte ich bisher nicht viel mit dem Wandern am Hut, also warum nicht mal etwas anderes ausprobieren. „So schwer kann das ja nicht sein!“ … Halbe Sachen macht man nicht. Kurzum entschied ich mich also für den Ultramarathon mit 64 km und gut 1500 hm.,

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Ohne großartige Vorbereitung machte ich mich dann am Sonntag (31.05.15) auf den Weg Richtung Start. Im Besucherzentrum hatten sich weitere 15 Starter für die Langstrecke eingefunden. Zu meinem Erschrecken kannten sich die meisten untereinander von anderen Wandermarathon- Veranstaltungen. Ich startete also als „Außenseiter“, was die Sache nicht unbedingt leichter für mich machte. Auf der anderen Seite war ich aber auch der Quoten- Willi und als einziger Willinger (auf der Langstrecke) am Start. Pünktlich um 6 Uhr fiel der symbolische Startschuss.

Nach der gemeinsamen Durchquerung des Ortes zog sich die Gruppe im Haselnussweg schon leicht auseinander. Ohne große Erfahrungswerte, was Zeit- und Krafteinteilung beim Wandern angeht, ging ich erst mal das Tempo meines Vordermannes mit. Dieser verpasste in Schwalefeld den Abzweig am Cafe Waldesruh was mich, wenn auch nur kurz, an die Spitze brachte. Jetzt wechselten wir uns ab oder gingen einige Zeit zusammen. Nach den vorerst steilsten Passagen (Schwalenburg und Frankenpfad) erreichten wir die erste Verpflegungsstation in Rattlar. Stempel abholen, Kuchen und Banane in die Hand und weiter ging es.

Nach dem Anstieg zum Dommelhof gab es bis Hemmighausen keine nennenswerten Steigungen. Mittlerweile waren wir ein Führungstrio, vom Rest war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Den relativ steilen Wiesenweg nach oben und schon war der zweite Stempel auf der Karte. Auch an dieser Verpflegung wurde sich nicht lange aufgehalten. 22 km in gut 2,5 Std. waren geschafft.

Jetzt galt es den „alten Schulweg“ bei Eimelrod zu bezwingen. Dieser schlängelt sich, steil in Serpentinen, den Berg hinauf. Mit noch guten Beinen und mit Kraft, konnte ich hier meinen Vorsprung auf die beiden anderen deutlich ausbauen und bis Neerdar auch halten. Auf den Asphaltabschnitten konnte ich keine Meter mehr gut machen und wurde schlussendlich eingeholt und überholt. Mit zwei Minuten Rückstand erreichte ich dann die dritte Stempelstelle am Teich in Bömighausen. 32 km in 5 Std. keine schlechte Leistung. Hier war für mich dann eine etwas längere Pause nötig. Ich ließ die anderen beiden, mit dem Gedanken: „Bergauf hole ich sie schon wieder ein.“, ziehen.

Den tiefsten Punkt der Strecke im Rücken ging es weiter, immer den Schildern des Uplandsteiges nach. Der Berg vor Welleringhausen kostete richtig Kraft, zumal es vorher erst durch eine Senke und dann wieder steile Serpentinen nach oben ging. Oben auf der Höhe wurde man aber mit einer tollen Aussicht entschädigt. Meine Mitstreiter hatte ich immer wieder, ca. 1 km vor mir im Blick. Ich schätzte meinen Rückstand auf ca. 10 Minuten. Dieser sollte sich auf der Bergvariante des Steiges, über den „Kahlen Pöhn“ und die Diemelquelle bis zur vierten Verpflegungsstation am Knoll halten. Hier sollte ich die beiden auch das letzte mal gesehen haben.

Mit Beinen so schwer wie Blei aber noch einem Lächeln im Gesicht, machte ich mich nun auf die nächsten Kilometer. Der Krutenberg, den ich nur vom Mountainbiken und in die andere Richtung kannte, war mir noch nie so steil vorgekommen. Selbst Radfahrer zogen ihr Gefährt schiebend an mir vorbei. Gefühlt war sogar jede Schnecke schneller. Der sich anschließende Pfad zum „Toten Mann“ kostete richtig Körner. Da kurz zuvor Waldarbeiter mit einer Forstmaschine umgestürzte Bäume entfernt hatten, war der Weg nicht zu passieren. Ich musste mir also einen Weg durch den Wald, über Wurzeln und zwischen den Bäumen hindurch, suchen. Am „Toten Mann“ bei Kilometer 50 versagte dann mangels Batterieleistung mein GPS, wodurch ich den Überblick über meine Geschwindigkeit verlor. Naja mein Puls wurde noch angezeigt, somit konnte ich zumindest nicht tod sein. Irgendwann war dann die vorletzte Stempelstelle am „Streit“ in Sicht. Bis hierhin hatte ich es also schon geschafft. Meine Beine wollten zwar nicht mehr, aber vom Kopf her, war Aufgeben keine Option. Außerdem waren es ja nur noch 12 km.

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Über die Hochheide ging es dann am Clemensberg und der Hochheidehütte vorbei Richtung Langenberg. Der letzte Berg. Endlich! Oben auf dem Langenberg wusste ich, es geht nur noch bergab. Ein Hoffnungsschimmer? Vielleicht. Ich machte mich als vom höchsten Punkt der Strecke auf – Richtung Ziel. Mit nun müden Knochen und ohne Kraft ist der Grenzweg zum Richtplatz nicht zu unterschätzen. Meine Konzentration lag in jedem Schritt. „Bloß nicht stürzen oder umknicken, nicht auf den letzen Metern.“ Meine Stöcke, die mir bislang bei jedem Aufstieg geholfen hatten, stützten mich nun bei jedem Schritt abwärts. Unterhalb des Richtplatzes lag die letzte Verpflegungsstation. Noch einmal ein Stück Kuchen und eine Banane. Der letzte Stempel war mein. „Jetzt nur noch schnell ins Ziel!“

Denkste … Es waren nur noch 6 Kilometer und das überwiegend bergab aber mit jedem Schritt schwanden die Kräfte. Ich hatte im Vorfeld gedacht, dass einen der Blick auf Willingen beflügelt und noch einmal Kräfte weckt. In meinem Fall war das leider nicht so. „Scheiße ist das Haus des Gastes noch weit weg!“ Vom Sonnenhang ging es rüber zum Ritzhagen und dann steil runter an den „Hoppern“. Das alles im Schneckentempo. Und dann? Dann kamen die letzten 1,5 km und das ausgerechnet auf Asphalt!? Rechts oder links neben der Straße, schleppte ich mich mit letzter Kraft Richtung Ziel. Die letzten 250 Meter mit dem Besucherzentrum im Blick waren dann die schlimmsten. Total benommen und erschöpft erblickte ich dann zwei liebe Freunde die mich auf die Entfernung noch mal anfeuerten und mich schlussendlich mit offenen Armen in Empfang genommen haben.

Ich hatte es geschafft. 64 km, gut 1500 hm und das in 11 Stunden und 29 Minuten. Mit allerletzter Kraft, durfte ich mir dann noch eine kleine Trophäe und eine Urkunde abholen.

GESCHAFFT! NIE WIEDER!

Der Uplandsteig Marathon war nicht als Wettkampf ausgelegt und trotzdem war es zumindest für mich ein Wettkampf gegen die Uhr und gegen den inneren Schweinehund. Auch wenn ich körperlich an meine Grenzen gehen musste, so war diese Tour gut für den Geist, da man um sicher herum alles vergessen konnte. Für mich war es eine super Erfahrung die mir gezeigt hat, dass man alles schaffen kann wenn man nur will. „Kann man den Uplandsteig an einem Tag bezwingen?“ Ja, man kann es schaffen! Vielleicht sollte man sich in diesem Fall etwas darauf vorbereiten.

Wer diesen zertifizierten Wanderweg genießen möchte, sollte sich allerdings ein bisschen mehr Zeit nehmen und ihn in mehreren Etappen erwandern. Auf jeden Wanderer warten ein beeindruckendes Naturerlebnis und traumhafte Aussichten (bei schönem Wetter) sowie anspruchsvolle Pfade, fernab vom Massentourismus.

 

Uplandsteig Marathon 2015

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