Ruhr2Northsea Challenge
300 km an (D)einem Tag


Mal eben von Duisburg bis nach Bensersiel an die Nordsee – zwischen Frühstück und Mittag doch eigentlich kein Problem – mit dieser Einstellung ging es am 10.06. locker flockig morgens um 4:30 Uhr an den Start vor der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg.


Der Vorabend

Glücklicherweise konnte ich beim Duisburger MTB Team Hüttenzauber Quartier beziehen und somit ganz entspannt an die Sache ran gehen. Nur 6 km vom Start entfernt fand also eine kleine private Pastaparty mit Rhabarberkuchen und Erdbeeren zum Nachtisch statt. Die lustige und heitere Runde mit Freunden ließ mich dann doch etwas später als gedacht ins Bett gehen 😉


Guten Morgen!

3:30 Uhr, nach zwei Stunden Schlaf und 1 ½ Stunden umher wälzen, klingelte dann der Wecker. Mit einer Tasse warmem Kakao und 50 g Müsli startete ich dann in den Tag. Noch schnell die Trinkflaschen füllen, das Rad ins Auto und dann mit „premium Shuttelservice“ im „just in time Prinzip“ ab zum Start. Dort angekommen warteten schon meine Mitstreiter Christoph, Christian und Stefan auf mich. Kurzer Plausch, ein bisschen Rumgeblödel, das Handy mit der Touren-App am Lenker befestigt und los. – Nix da! Problem! Irgendwie waren meine Trinkflaschen nicht da wo sie sein sollten…

„Julia ich hab meine Flaschen nicht!“
„Sind die noch im Auto?“
„Nein, ich fürchte auf der Theke in der Küche!“
„Ich hole sie dir noch schnell, bin sofort wieder da!“

Ein Blick auf die Uhr, in fünf Minuten ist Start und schwups war Julia auch schon im Auto verschwunden.


Los geht’s …

3, 2, 1 … „Wir sehen uns an der Nordsee!“, so schallte es aus den Lautsprechern. Rund 460 Radler machten sich auf den Weg. 300 km Richtung Norden.

„Fahrt schon mal vor, ich komme dann nach!“
„Nein, wir warten zusammen!“

– Nach dem Motto – Einer für alle und Alle für einen – fuhren wir gemeinsam über die Startlinie und stoppten nach 100 Metern an der nächsten Straßenecke wieder … Nicht mal fünf Minuten später war Julia schon wieder da. Strahlend und mit einem Lächeln im Gesicht überreichte sie mir meinen Wasservorrat, kurz drücken, danke sagen (was hätte ich bloß ohne sie gemacht) und schon konnten wir richtig starten.

Erste rote Ampel, zweite rote Ampel, … , zehnte rote Ampel, na das läuft ja. Vielleicht sollte man an dieser Stelle sagen das Duisburg viele schöne rot leuchtende Ampeln hat, an denen sich das Anhalten schon mal lohnt, besonders morgens um kurz vor fünf, wenn alle Straßen gerademal von einer Hand voll Autos befahren werden. Knack, knack, knack! „Ich bin es nicht!!!“ Nach gut zwei Kilometern fing Stefans Rad an zu knacken. Stopp! Ursachenforschung … Es war wohl das Hinterrad. Warum? Keine Ahnung! „Hält das?“ „Ja es hält! Sind doch nur noch 298 km …“ Weit und breit war keiner der restlichen 456 Radfahrern zu sehen und selbst die App zeigte in der näheren Umgebung niemanden an. „Mensch sind die schnell, aber wir holen schon noch auf!“ Als Allerletzte verließen wir Duisburg und radelten als super Vierergespann durch die Straßen, hatten Zeit den Sonnenaufgang zu genießen und blödelten einfach nur rum. Rechts rum, links rum, über die Schienen, durch den Kreisel, so ging es durch den Großstadtdschungel. So als Landei stellt man sich den Ruhrpott irgendwie viel dunkler und ungemütlicher vor (zugegebener weise kannte ich ihn auch vorher nur von der Autobahn aus), aber es war eigentlich auf den Streckenabschnitten sehr nett und sogar grün.

Raus aus der Stadt, ging es rauf aufs Land. Über wenig befahrene Straßen oder Radwege ging es Richtung Schloss Raesfeld, wo uns die erste Verpflegungsstelle erwartete. Auf dem Weg dorthin kamen auch wieder die ersten Mitstreiter in Sicht, die wir zum Teil auch hinter uns lassen konnten. Das Schloss war als Kulisse für die Verpflegung ein Highlight. Es gab Riegel, Bananen und ein paar Getränke. Durch eine kleine Tür im großen geschlossenen Tor ging es dann weiter Richtung See. Unser Team funktionierte richtig gut. Mit einem guten 24ger Schnitt ging es vorwärts. Schnell holten wir immer weiter auf und waren längst nicht mehr die Letzten und auch nicht mehr ganz so alleine auf weiter Flur. Die nächsten 50 km vergingen wie im Flug und wurden mit einem reichhaltigen Frühstück in Epe belohnt (Die Beste Verpflegung vom ganzen Tag). 100 km waren in etwas über vier Stunden geschafft. Läuft!!!

Keep on rolling. Ab jetzt wollten wir immer noch mal einen Zwischenstopp einlegen, da aber nur ich die App und somit die Streckendaten im Blick hatte, merkte keiner wie die Kilometer bis zur nächsten Verpflegung schmolzen. Die Windmühle Georgsdorf erreichten wir schneller als gedacht – ohne zusätzlichen Stopp. Leider gab es dort nicht mehr genügend Verpflegung. Notdürftig die Flaschen mit den noch vorhandenen Getränken gefüllt, kurz die Beine vertreten und schon ging es dann weiter.

Leicht angenervt auf Grund der fehlenden Verpflegung ging es trotzdem ganz gut weiter. Nach ca. 20 weiteren Kilometern dann plötzlich Halluzinationen. Ein silberner Bulli am Straßenrand, ein mit den Händen wedelnder Mann. „Was will der?“ , „Lass mal anhalten!“ – „Braucht ihr was Süßes? Ich hab Schokolade!“ – Bombe. Der beste Mann des Tages. Die Schoki machte die Pleite der letzten Station vorerst wieder wett. Damit kommen wir bis zum Mittagessen. Mit Spass inne Backen ging es dann weiter. Noch nie im Leben hatte ich so viele Kilometer am Stück mit dem Fahrrad zurückgelegt. Was für ein Erfolg. Und schon näherten wir uns der 200 km Marke. So langsam waren wir eigentlich gar nicht unterwegs, aber irgendwie fühlte es sich so an. Im Dorfkrug gab es quasi nichts mehr zu Trinken und die Essensauswahl beschränkte sich auf eine kleine Portion Nudeln. Na immerhin etwas zum Essen. Nicht lange ärgern, einfach weiter.

Es ging Quasi nur noch geradeaus und um ehrlich zu sein, war das recht langweilig. Immer wieder überholten wir die gleichen Gruppen. Diese kamen immer nach uns an den Servicestationen an, waren aber vor uns auch schon wieder verschwunden. „Ihr müsstet schon längst an der See sein, ihr überholt uns schon das fünfte Mal!“ Gefühlt ging es mir auf der gesamten Strecke besser als den anderen dreien. Ich war selbst sehr von mir überrascht, aber die Maschine lief. Um die Langeweile der endlosen Geraden zu unterbrechen, bauten wir immer wieder Ortsschildsprints ein, die ich nacheinander verlor (Ich hab aber auch wirklich keinen gewonnen), natürlich absichtlich um die anderen zu motivieren 😉 . Abknickende Straßen, enge Kurven, Kreuzungen, Ampeln und Kreisel wurden zu echten Highlights. Irgendwie musste man sich ja bei Laune halten. Die war aber durchweg sehr gut.

Das Cafe Pier 23 in Leer war der nächste Verpflegungspunkt. Mit biegen und brechen bekamen wir noch ein Stück Kuchen und ne Tasse Kaffee bzw. Milch (Für meinen Nachmittagskakao war die Bedienung zu unflexibel). Reichlich bedient von den Pleiten bei den Zwischenstopps, aber mit dennoch bester Laune im Team, sollten die letzten 60 km doch ein Klacks werden. Mit Musik an Board und mit viel Blödsinn im Kopf, ging es dann singend und lachend weiter gen Norden. Um nicht nochmal „enttäuscht“ zu

werden ließen wir dann die Kneipe „Zur Ewigen Lampe“ wortwörtlich links liegen und nahmen die letzten 30 km unter die Reifen. Ohne Pannen, Stürze und Regen, erreichten wir nach 304 km, knapp 16,5 Std. und einer reinen Fahrzeit von 12,5 Stunden den Hafen von Bensersiel und wurden dort mit Applaus und strahlenden Gesichtern empfangen. „Für einen Samstagsausflug war’s doch ganz nett und was machen wir morgen!?“ – Das waren meine ersten Worte im Ziel und ich war wirklich noch so fit. Wir hätten locker noch 100 km dran hängen können, aber weiter ging es eben nicht. Noch schnell ein Foto, Urkunde abholen und dann was essen. „Bitte lass sie noch was zum Essen für uns haben!“ – Unser Wunsch wurde erhört und es gab noch was, reichlich!

Mein persönliches Fazit: Eine gut organisierte Tour mit freundlichem Betreuungspersonal. Die dazugehörige App ist bis auf klitzekleine Kinderkrankheiten echt super gemacht und die Navigation war damit total easy. Die Verpflegungsstellen waren für die Teilnehmer im Genussmodus (auf die Reisegeschwindigkeit bezogen) etwas zu schwach bestückt wobei gerade in Neudersum und Leer wohl eher die Lokalitäten dafür verantwortlich waren. Das hat mich persönlich sehr genervt – Ich hatte den Kanal voll. Ansonsten eine sehr gelungene Veranstaltung. Der 10.06.2017 war „Mein Tag“ um die 300 km zu fahren. Einmal reicht mir!


Die Zahlen:

Start um 4:30 Uhr | Ziel erreicht um 20:50 Uhr
304 zurückgelegte Kilometer
16,5 Stunden unterwegs | 12,5 Stunden reine Fahrzeit
24,3 km/h im Schnitt
10000 verbrannte Kalorien


Der Tag danach

Fit wie ein Turnschuh bemühte ich mich meine Teamkollegen morgens um sechs zum Sport zu bewegen, leider ohne Erfolg 😀 … Also alleine! #neverchangetherunningsystem #enjoythehardwork – Irgendwie muss man ja nach Hause kommen. Tschüss Nordsee! 😉

Ruhr 2 Northsea Challenge 2017

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