Uplandsteig Wandermarathon 2016

Nachdem ich im letzten Jahr noch felsenfest davon überzeugt war so etwas nie wieder zu machen, stand dann doch relativ schnell fest: „Ich mach das nochmal!“ Den Uplandsteig anders herum ist doch ein Klacks. Ich zeig den „Alten“ wo der Hammer hängt und mach das in weniger als 10 Stunden! Der Plan stand also, im Groben. Und ich als reiner Radfahrer wollte auch tatsächlich mehr wandern, um eine bessere Grundlage für dieses ambitionierte Projekt zu bekommen. Zwei Tage vorher hat es sich dann aber auch nicht mehr gelohnt, mit dem Wandern anzufangen.

Bei strahlendem Wetter und angenehmen Temperaturen machte ich mich, voll motiviert und mit Ehrgeiz geladen, um halb sechs auf den Weg ins Besucherzentrum. Startgeld bezahlen und mal hören welche Zeit so der ein oder andere Mitstreiter anpeilt. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Veranstaltung kein Wettkampf ist…!“. Ja, ja, wer’s glaubt. Sie ist ja doch einer. Zwar ohne offizielle Zeitmessung aber Marathon ist eben Marathon.

Nach einer kurzen Begrüßung, ging es dann pünktlich um sechs Uhr auf die Strecke. Schnelleren Schrittes, aber noch mit angezogener Handbremse, ging es Richtung Sommerrodelbahn. Von Position vier aus sah ich mir das Treiben vor mir in Ruhe an. „Die krieg ich am Berg“, dachte ich mir und startete dann am Fuß des Hoppern (Abzweig Brilon-Wald) richtig. Noch bevor wir die Bergstation des Ritzhagenliftes erreichten, konnte ich mit einem neben mir joggenden Mitstreiter an den beiden Führenden vorbei ziehen. Über den Sonnenlift und Richtplatz ging es stetig bergauf bis zum Langenberg. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 min/km waren wir richtig gut unterwegs. Jetzt ging es nur noch bergab. An der Niedersfelder Hütte und dem Clemensberg vorbei über die Hochheide bis zur ersten Kontrollstelle am Streit. Hier blickten wir in zwei erstaunte Gesichter. Es hatte noch keiner mit uns gerechnet. Eilig wurde der Stempel aus dem Auto gesucht, eine Banane auf die Hand und weiter…

Über den Toten Mann, den Krutenberg, die Schöne Aussicht, das Knoll und der Diemelquelle lief es hervorragend. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass die angepeilte Endzeit zu schaffen sein würde. Mit einer Reisegeschwindigkeit von nun 7:20 min/km ging es den Kahlen Pön hinauf zur zweiten Kontrollstelle. Pünktlich um neun Frühstück! Buttermilch, Käsebrot und eine Banane für unterwegs. „Wo ist die zweite Startgruppe?“… „Die sind schon weg!“… „Na super!“. Am Pön hatte ich mich mit René verabredet und wollte mit ihm zusammen weiter gehen. Nach einem kurzen Telefonat war klar, dass er sich schon in der Nähe von Welleringhausen befand. „Ich warte am See in Bömighausen auf dich!“ … „Alles klar, bis gleich!“

Also schnell weiter, damit er nicht so lange warten muss. Das Wetter hätte nicht besser sein können. Bei den super schönen Fernsichten war es eigentlich schon schade, dass ich mir ein so ehrgeiziges Ziel gesetzt hatte und unbedingt unter 10 Stunden bleiben wollte. Ein bisschen mehr Zeit zum Genießen wäre nicht schlecht gewesen. Zwanzig nach zehn kam ich dann am See in Bömighausen an. Leider zu früh. Hier war noch keine Verpflegungsstelleeingerichtet. Mit einigen anderen von der Mittelstrecke standen wir nun da. Glücklicherweise hatte ich mir meinen Onkel Berti zum Wasserreichen an den See bestellt, sonst hätte es wohl schlecht für mich ausgesehen. „Danke, du bist meine Rettung!“. „Wir gehen weiter und holen uns den Stempel in Eimelrod.“

Nun ging es zusammen mit René weiter. Auch wenn wir nicht immer viel miteinander gesprochen haben, war es super, nicht ganz alleine zu sein. Nach einem kurzen Verlaufen, der Tunnelblick war schuld, ging es über Bömighausen und Neerdar Richtung Eimelrod. Anstatt über die Asphaltstraße ging es ab Neerdar über einen Wiesenweg hinauf bis zur Bahn. Wir lagen so gut in der Zeit, dass wir ein bisschen Tempo raus nehmen konnten. Kurz nach halb zwöf erreichten wir die vierte Kontrollstelle kurz vor Eimelrod. Nach der Unterstellung wir hätten abgekürzt und wären nie am See gewesen gab es dann, nach etwas Diskussion, den Stempel von Station drei auch noch für uns. Einen Teller Suppe und Brot zur Stärkung und schon ging es weiter Richtung Rattlar.

In Eimelrod konnte ich, dank Onkel Berti, noch einmal eine neue Getränkeflasche mit auf den Weg nehmen. Gut gelaunt und super im Zeitplan ging es durch Hemmighausen. Mit schon über 40 km in den Knochen und mit schwerer werdenden Beinen (das liegt wohl am bleihaltigen Boden…), wurden die Anstiege zäh. Immer wieder liefen wir auf Wanderer der Mittelstrecke auf und ließen diese auch schnell hinter uns. Kurz vor dem Dommelhof dann ein sich androhender Krampf im Oberschenkel, gegen den ich aber gut ankämpfen konnte. „Glück gehabt!“. Kurz nach der Dommelmühle dann ein erneuter Angriff meines Körpers, aber auch den konnte ich noch einmal abwehren. Wieder eine Gruppe Wanderer im Blick ging, es den steilen Anstieg nach Rattlar hinauf. Die steigenden Temperaturen und die leichte Schwüle, ließen meinen Wasservorrat kurz vor der letzten Kontrollstelle versiegen. René bot mir an zu teilen, aber das lehnte ich dankend ab. „Der Sportplatz ist ja gleich hinter der nächsten Kuppe.“

Ein letztes Mal stärken und die Trinkflaschen tauschen. Der Marathonbestzeit steht nichts mehr im Weg. Noch zwei Stunden für 11 km. „Das machen wir mit links!“ Die Kombination aus steilen Abstiegen und zähen Anstiegen ist auf den letzten Kilometern nicht gerade optimal, aber zu schaffen. Also den Frankenpfad hinab und gleich wieder, gefühlt im Schneckentempo, steil zur Schwalenburg hinauf. Schnell noch ein Foto und dann ab ins Ziel. Nach dem wiederum fiesen Abstieg von der Wallanlage in Richtung Schwalefeld, bekam ich starke Unterleibsschmerzen. Wohl ein Krampf gegen den ich nichts mehr machen konnte. Zwangspause. „Geht gleich wieder!“. Der Schmerz ließ aber nicht nach und nach kurzem Abwägen entschloss ich mich, die Vernunft walten zu lassen und aufzugeben. Die letzten 5 km musste René, der schon länger über Blasen klagte, dann ohne mich zurücklegen.


Verloren!

Mein Körper hat mich in die Knie gezwungen. Der Ärger darüber, dass es eine Rekordzeit geworden wäre, hängt mir noch ein bisschen nach, aber die Gesundheit geht vor. Abzüglich Pausen habe ich 62 km in weniger als neun Stunden geschafft und das hätte mir mit Sicherheit niemand zugetraut. Klar bin ich etwas enttäusch, aber auch stolz auf meine Leistung. Was bleibt ist die Gewissheit, dass der Uplandsteig, auch gegen den Uhrzeigersinn, in weniger als 10 Stunden zu schaffen ist und ein „mega“ Muskelkater, der sich in den nächsten Tagen wohl verabschieden wird. Wandern ist eben nicht wie Radfahren!

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An dieser Stelle nochmal tausend Dank an René und Berti für die super Unterstützung!


Eckdaten:
62 km und 1400 hm in weniger als 9 Stunden
ca. 8000 verbrauchte kcal
8:55 min/km Durchschnittsgeschwindigkeit
Schnellster km in 6:11 min

Uplandsteig 2016

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