Uplandsteig Wandermarathon 2018 – Ein Landschaftstraum!

Der gesamte Uplandsteig lässt sich in 3 Tagesetappen (3 x 22 km) gut bewältigen“, so der Autorentipp auf diversen Internetportalen.

— Laaaaaaaaaangweilig — Das kann ja jeder!

Immer wieder der gleiche Gedanke und schwups ist man schon wieder angemeldet und steht morgens um 6 Uhr am Start, obwohl man doch schon bei jedem Marathon zuvor die Worte „nie wieder“ in den Mund genommen hatte.

Und dann ist es doch wieder passiert. Nach 94.286 Schritten in 11Std. 21 Minuten, knapp 1500 bewältigten Höhenmetern und 7847 verbrannten Kilokalorien, stehe ich mit zwei Blasen am linken Fuß, Schmerzen im linken Knie und einem gehörigen Muskelkater im Ziel, nehme Urkunde und Pin entgegen und sage: – wie könnte es auch anders sein – „Nie wieder!

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Bild von Hans Görzen (UGV Willingen)

So die Kurzfassung vom Uplandsteig Wandermarathon 2018


Kurz und knapp alle wichtigen Daten zu Papier bringen sollte eigentlich reichen, aber wenn man vor, während und nach dem Marathon schon angesprochen wird, ob man wieder „was schreibt“, kann man seine „Fans“ ja nicht nur mit drei Zeilen abspeisen.

Die vierte Auflage des Wandermarathons stand wieder unter einem guten Stern. Bilderbuchwetter und trotz der Eisheiligen auch angenehm warm zum Wandern. 6 Uhr symbolischer Startschuss an der Wandertafel vor dem Besucherzentrum. „Euch allen frisch auf und viel Spaß!“, „Los geht’s!“ – „Halt stopp! Da fehlen noch zwei!“, also wieder zurück auf die Fotoposition und nochmal das Ganze. Lächeln, Foto, Startschuss und ohne was getan zu haben schon raus aus dem Zeitplan 😉

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Das Starterfeld im allgemeinen wird wohl jedes Jahr größer. Man sieht jedes Jahr viele bekannte Gesichter und auch immer wieder neue. Und so folgt meist auf die Frage: „Ihr scheint das ja öfter zu machen!?“ und auf die flapsige, aber dennoch ernst gemeinte Antwort: „Nein, eigentlich wandern wir nur einmal im Jahr!“, ein irritiertes Schweigen.

Wie im Jahr zuvor ging es wieder im Uhrzeigersinn über den Uplandsteig. Eigentlich schade, weil er in die Gegenrichtung doch etwas anspruchsvoller ist. Mal ganz ohne Zeitdruck eine fixe Distanz zurückzulegen ist doch was Schönes, so der Verstand. Und die Unvernunft guckt zwischendurch immer wieder auf die Uhr und vergleicht mit den Vorjahren. Und schon hätte ich fast den Stock von Jan vor der Rübe gehabt. „Hör auf, auf die Uhr zu gucken, wir wollen einfach ankommen!“ – Ja ja, bla bla – Wenn ich in den letzten Jahren eins gelernt habe, dann ist es nicht vernünftig zu sein, sondern das die Vernunft in die Gestalt jeder erdenklichen Person in meinem Umfeld schlüpfen kann. Diesmal nahm sie mal wieder die Gestalt von Jan an.

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Jan – Bild von Hans Görzen (UGV Willingen)

Also gemächlich wandern, Landschaft genießen und ankommen. Ersteres klappte auf gerader Strecke und bergab ganz gut, bergauf musste ich meinen eigenen (schnellen) Schritt gehen – Bergsprint! Rauf geht immer! Und landschaftlich ist unser Upland einfach ein Genuss. Bei Bilderbuchwetter klotzt es nur so mit Fernsichten. Wer sich das entgehen lässt, ist selber schuld.

Kurz hinter dem Cafe Fernblick waren wir uns schon sicher: Jetzt sind wir auf dem Heimweg. Schwalefeld, Rattlar, Hemmighausen und Eimelrod lagen (gefühlt) schnell hinter uns. Locker fröhlich und wie gewohnt mit viel Blödsinn auf den Lippen, wurden die Stempel gesammelt. Die Etappe von Eimelrod über Nerdar nach Bömighausen, ist eigentlich immer die Schnellste und somit wurde nach 5 Std. 20 Minuten die dritte Stempelstelle erreicht und nach einer kleinen Stärkung die zweite Hälfte des Tages in Angriff genommen.

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Schmerzen im Knie machten gerade die kurzen Bergabpassagen zu einer Qual für mich und so musste ich Jan ab der Graf Stolberg Hütte erstmal ziehen lassen. Aufhören oder weitergehen? Meine Vernunft war schon seit 10 Minuten auf dem Weg Richtung Streit, also musste ich ja hinterher. Kurz hinter dem „Toten Mann“ hatte ich sie dann auch schon wieder eingeholt. Die Fragen „wie?“ und „warum?“ ließ ich an mir abprallen und ging einfach weiter.

Kurz vor der Hochheide dann nochmal stärken und kurz sitzen. Wieder ließ ich Jan ein paar Minuten Vorsprung, um dann in meinem Tempo hinterher zu gehen. Den Clemensberg links liegen gelassen, an der Hochheidehütte vorbei auf den Langenberg. Die Freude über die geschafften Höhenmeter und den zugleich höchsten Punkt der Strecke erreicht zu haben, hielt nur kurz an. Hoch ging, aber jetzt ging es ja nur noch bergab. *Piieep!*

Mehr und mehr kam der Wunsch nach meinem Mountainbike in meinem Kopf zum Vorschein, aber nein das war ja ein Wandermarathon – also zu Fuß weiter! Endlich am Richtplatz angekommen, empfingen mich strahlende Gesichter.

Ise: „Andreas, wie geht es dir?“

Ich: „Ach Ise, wenn ich Dich sehe gleich 1000mal besser!“

Ise: „Warum gehst du nicht nur die 42 km?“

Ich: „Weil sich sonst zu viele verlaufen würden!“

Wenn man eins nicht verlieren darf, dann ist das wohl den Humor (auch wenn es nur Galgenhumor ist). Mit Spaß geht doch vieles etwas leichter. Nach einer kurzen Pause wollte ich mich einer kleinen Gruppe der Mittelstrecke anschließen, allerdings waren sie mir nach knapp 200 m doch zu langsam. Am Ritzhagen angekommen, entschloss ich mich dann, die Asphaltstraße für den Abstieg zu nehmen um mein Knie ein wenig zu schonen.

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Unten angekommen, traf ich auch wieder auf Jan. Die letzten Meter bis ins Ziel legten wir dann wieder gemeinsam zurück. Im Anschluss daran der jährlich gleiche Dialog mit Helmut:

Ich: „Nie wieder!“

Helmut: „14 Tage vor dem nächsten Marathon rufe ich dich an und frage nur 21, 42 oder 66. Bis nächstes Jahr!“

Und was lernt man daraus? – Eine immer wieder gern gestellte Frage! – Gelernt hab ich nur eins: „Wanderschuhe müssen so sein wie der Arsch vom Chef. Wenn man rein tritt muss man sich wohlfühlen.“ Ansonsten bin ich wohl unbelehrbar …


Die Zahlen:

11 Std. 21 Min 50 Sek.

66,21 km

94286 Schritte

7847 verbrauchte Kilokalorien

Uplandsteig 2018

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